• Bitte unterschreiben Sie noch nicht

     

    Post. Knapp drei Monate nach meiner Das-weiß-ich-auch-nicht-soooo-genau-Erfahrung.

    Ganze 10 Seiten Papier. Zwei davon nur das Anschreiben, dessen Betreffzeile schon fast so imposant klingt, wie eine Vereidigung bei der Bundeswehr:

    Einbürgerung in den deutschen Staatsverband
     

    Staatsverband. Hab ich in diesem Kontext noch nie gehört…falsch ist es ja nicht. Verband klingt aber ein bisschen, als ob man freiwillig ein- und wieder austreten könne. Vielleicht ist es ja absichtlich so gehalten. Möglicherweise möchte ein Nachbarstaat bald auch in den deutschen Staatsverband eintreten. Österreich wäre so ein Kandidat, nehme ich an.

    Ihr Beitritt zum deutschen Staatsverbund. Bitte bauen Sie Ihre Höchstgeschwindigkeitsbegrenzungsschilder ab und entsorgen Sie diese fachgerecht auf dem Wertstoffhof.

    Vielleicht will aber der Freistaat Bayern auch austreten? Oder Mallorca als nicht-souveränes Exklave (je nach Perspektive auch Enklave) Deutschlands endlich seiner wahren Bestimmung nachgehen?

    [kleiner Exkurs]
    Man beachte, dass es sich beim Wortpaar “deutscher Staatsverband” offenbar nicht um einen Eigennamen handelt. Im Gegenzug zu Deutsche Bank oder Deutsche Post oder Deutsche Bahn, ist deutsche beim deutschen Staatsverband ein einfaches Adjektiv und wird folglich klein geschrieben.
    [/kleiner Exkurs]

    Anyway. Ich habe Post bekommen.

    Die freundliche Beamtin, die für Migration und Flüchtlinge mit Nachnamen mit Anfangsbuchstaben B verantwortlich ist, hat mir geschrieben:


    Blablabla …Voraussetzung für eine Einbürgerung … blabla … 16. Lebensjahr vollendet … blabla … Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung abgeben…


    Aha. Jetzt wird’s spannend.


    Für die Bekenntnis legen wir diesem Schreiben ein Formular Bekenntnis- und Loyalitätserklärung sowie ein Merkblatt zur Verfassungstreue und Absage an alle Formen des Extremismus bei. Bitte lesen Sie diese unterlagen aufmerksam durch und machen Sie sich bereits vorab Gedanken, welchen Punkt Sie unter 2.3 in der Loyalitätserklärung ankreuzen. Wir bitten Sie jedoch, das Formular Bekenntnis- und Loyalitätserklärung noch nicht zu unterschreiben.
    Hierzu werden wir Sie zu gegebener Zeit zu einem persönlichen Gespräch einladen.


    OHA. Das ist neu.

    Ich werde zum persönlichen Gespräch eingeladen, damit ich meine Loyalität zur Verfassungstreue und die Absage an alle Formen des Extremismus bekennen kann. Zu gegebener Zeit.

    Achso. Bevor ich es vergesse. Ihr fragt euch sicher, was ich denn nun bei Punkt 2.3 ankreuzen kann. Nunja. So sieht das ganze aus:

    brief2

    2.3 Den Inhalt und die Bedeutung der Erklärung zu extremistischen Bestrebungen einschließlich des Merkblatts habe ich verstanden. Ich gebe auf dieser Grundlage folgende Erklärung ab; für mich trifft zu:

    2.3.1 dass ich derzeit keine extremistischen Bestrebungen verfolge oder unterstütze oder in der Vergangenheit verfolgt oder unterstützt habe

    2.3.2. dass ich früher derartige Bestrebungen verfolgt oder unterstützt habe, mich aber inzwischen abgewandt habe

    2.3.3. dass ich Zweifel habe, ob ich extremistische Bestrebungen verfolge oder unterstütze oder verfolgt oder unterstützt habe

     

    Jetzt ist mir klar wofür das Merkblatt ist. Nächstes Mal erzähle ich euch, was das Merkblatt hergibt, sodass jeder von euch in Selbstreflexion überprüfen kann, ob er derzeit extremistische Bestrebungen verfolgt oder unterstützt, oder solche früher verfolgt oder unterstützt hat, sich aber inzwischen abgewandt hat.

    Gute Nacht!
     

1 Comment

  1. Nicole says: 16. September 2015 at 14:33Antworten

    Hallo Vini,

    mein Gott bin ich froh, dass ich seit Geburt Deutsche bin 😉 Ist das kompliziert 🙂

    Liebe Grüße,
    Nicole

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